Rigips im Ladenlokal in Süditalien

Rigips im Ladenlokal in Süditalien: Warum du selbst bei leichten Wänden aufpassen musst

Als wir hier in Süditalien angefangen haben, uns mit eigenen Büroräumen und Ladenflächen zu beschäftigen, dachten wir ehrlich gesagt, dass eine Sache unkompliziert ist: Innenwände aus Rigips einziehen oder entfernen. Kein Beton, keine tragende Wand, also kein großes Thema. Genau da liegt der Irrtum.

In Italien zählt nicht das Material, sondern was du veränderst. Wenn sich durch neue oder entfernte Trennwände der Grundriss ändert, dann ist das in vielen Fällen keine Kleinigkeit mehr, sondern eine bauliche Maßnahme, die offiziell gemeldet werden muss.

Der entscheidende Punkt: Der Grundriss muss stimmen

Jede Immobilie hat einen genehmigten Zustand. Dieser sogenannte legittime Zustand ist die Grundlage für alles. Wenn dein Laden oder Büro innen anders aussieht als es offiziell hinterlegt ist, kann das später Probleme verursachen.

Das betrifft nicht nur große Umbauten. Auch wenn du lediglich mit Cartongesso Räume neu aufteilst oder bestehende Trennwände entfernst, veränderst du die interne Raumaufteilung. Und genau das ist der Punkt, an dem es formell wird.

Was in der Praxis oft nötig ist

In vielen Fällen braucht es eine sogenannte CILA, also eine Comunicazione Inizio Lavori Asseverata. Das ist eine formelle Mitteilung über den Beginn von Arbeiten, die von einem Techniker eingereicht wird. Zuständig ist in der Regel das SUE, der Sportello Unico per l’Edilizia deiner Gemeinde.

Offizielle Informationen zu baulichen Verfahren findest du beispielsweise direkt auf der Seite der Gazzetta Ufficiale oder bei der Agenzia delle Entrate, wenn es um Katasterfragen geht.

Wichtig ist: Auch wenn es sich um nicht tragende Wände handelt, ist die Änderung der Raumaufteilung häufig meldepflichtig. Ein Geometra, Architekt oder Ingenieur erstellt einen aktualisierten Plan und reicht die Unterlagen bei der Comune ein.

Und nach dem Umbau ist es noch nicht vorbei

Was viele vergessen: Wenn sich der Grundriss ändert, muss häufig auch der Katasterplan angepasst werden. Das läuft über das Verfahren DOCFA und wird ebenfalls von einem qualifizierten Techniker eingereicht.

Wenn der Katasterplan nicht mit der realen Situation übereinstimmt, kann das später beim Verkauf, bei Finanzierungen oder bei weiteren Genehmigungen zum Problem werden. Gerade bei Gewerbeimmobilien wird hier genauer hingeschaut.

Besonders wichtig bei Ladenlokalen

Sobald Publikumsverkehr im Spiel ist, kommen zusätzliche Anforderungen hinzu. Fluchtwege, Brandschutz, Sanitäranlagen, Barrierefreiheit. Je nach Tätigkeit kann auch die Nutzungsart eine Rolle spielen. Wenn du aus einem Lagerraum ein Geschäft machst, ist das mehr als nur eine neue Wand.

In unserem Fall war klar: Wir wollten alles sauber machen. Das bedeutet, vor dem ersten Handgriff einen Techniker einschalten, den Ist-Zustand prüfen lassen, die richtige Praxis einreichen und erst danach umbauen.

Unsere klare Empfehlung

Bevor du in Süditalien in einem Büro oder Laden auch nur eine Rigipswand versetzt, kläre die formelle Seite. Lass prüfen, ob eine CILA notwendig ist, ob der bestehende Zustand korrekt hinterlegt ist und ob nach Abschluss ein Kataster-Update erforderlich wird.

Es kostet Zeit und Geld. Aber es spart dir deutlich größere Probleme später. Gerade wenn du langfristig planst, dein Geschäft wachsen soll oder du irgendwann verkaufen willst, zahlt sich saubere Dokumentation aus.

Wir haben gelernt: In Italien ist Papier genauso wichtig wie Ziegel. Und manchmal sogar wichtiger als Rigips.